Diversion – „Ladendiebstahl“

Den beiden Angeklagten war vorgeworfen worden, in einem Drogeriemarkt 42 Stück Kosmetikartikel an sich genommen, verstaut und ohne an der Kasse zu bezahlen, aus dem Geschäft gebracht zu haben. – Dafür drohten den beiden je bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von je bis zu 360 Tagessätzen.

Beide hatten sich, unmittelbar nachdem sie das Geschäft verlassen hatten und von Mitarbeitern des Marktes gestellt und festgehalten worden waren, bei der Polizei leugnend verantwortet:  Eine alte Frau im Rollstuhl, die vor dem Geschäft stand, hätte die eine der Angeklagten gebeten, für sie Kosmetikartikel aus dem Geschäft mitzubringen, sie würde diese dann auch bezahlen. Die zweite Angeklagte habe der ersten Angeklagten bloß geholfen.

Exakt zu diesem Zeitpunkt war das Einschreiten eines im Strafrecht versierten Verteidigers oder eines auf Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt notwendig. – Siehe dazu ua auch bereits hier:

http://www.rechtsanwalt-strobl.at/rechts-blog/2016/untersuchungshaft-aufgehoben-trotz-40-schwerer-delikte-rechtsanwalt-strafverteidiger/

http://www.rechtsanwalt-strobl.at/rechts-blog/2015/sehr-mildes-urteil-bei-einbruchsdiebstahl-sinnhaftigkeit-einer-vertretung-durch-rechtsanwalt-und-verteidiger-in-strafsachen/

http://www.rechtsanwalt-strobl.at/rechts-blog/2015/wann-wird-ein-strafverfahren-eingestellt-wie-ratsam-ist-die-vertretung-durch-einen-strafverteidiger/

Warum war das Einschreiten eines Strafverteidigers notwendig:

Beide Angeklagte hätten ihre „Geschichte“, von der vor dem Geschäft wartenden Frau, aufrechterhalten. Diese Geschichte wäre nie und nimmer zu glauben gewesen, da in unzähligen Fragen, mit der diese „Geschichte“ hinterfragt worden wäre, bloß deren Unrichtigkeit und Lebensferne zu Tage gefördert worden wäre.

Daher benötigt es in solchen Situationen beim Strafverteidiger in erster Linie eines klaren Hausverstandes und einer realitätsnahen Einschätzung der Situation. Den Angeklagten war daher zu raten, die Verantwortung für deren Tat zu übernehmen, damit eine Diversion erreicht werden kann.

Unter Verantwortungsübernahme versteht man eine gewisse, nicht unbedingt einem Geständnis zum Anklagevorwurf entsprechende, Unrechtseinsicht oder eine partielle Übernahme der Verantwortung für das Bewirken der eine strafrechtliche Haftung begründenden Tatsachen.

Unter Diversion versteht man die Beendigung des Strafverfahrens ohne Schuldspruch und ohne förmliche Sanktionierung des Beschuldigten.

Da weitere Voraussetzungen für eine Diversion vorlagen und es auch beim Versuch der Tat geblieben war, konnte letztlich eine Diversion unter Zahlung einer Geldbuße erreicht werden.

Die, nicht empfehlenswerte, Alternative zu dieser Strategie, das Aufrechterhalten der bisher bei der Polizei erzählten „Geschichte“, hätte bewirkt, dass die beide Angeklagten verurteilt worden und damit vorbestraft gewesen wären.

 

Permalink: Diversion – „Ladendiebstahl“
Erstellungsdatum: 11. März 2017,
Letzte Aktualisierung: 11. März 2017.

Autor: Mag. Andreas Strobl, Rechtsanwalt, Rechtsanwalt Mag. Strobl. Hütteldorfer Straße 81b, Wien, 1150 Österreich
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